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Gegenoeffentlichkeit

Der Begriff«Gegenöffentlichkeit»
Der Begriff der Gegenöffentlichkeit etabliert sich im Gefolge des 1968er Jahres und und hat viel mit einer breiten Einsicht in die Gesetzmäßigkeiten des Systems der Massenmedien zu tun; genauer gesagt mit der Einsicht, dass mensch viele Informationen, Sichtweisen und Bevölkerungsgruppen nie in die massenmedial produzierte Öffentlichkeit hineinreklamieren wird können. Die Folge dieser Erkenntnis war: es reicht nicht, das gesamte politische Engagement in eine Veränderung der "bürgerlichen Presse" zu investieren und ist umgekehrt oftmals zielführender, an eigenen, unabhängigen Öffentlichkeiten abseits der massenmedialen Welt zu arbeiten - an der Schaffung und Etablierung von Gegenöffentlichkeit!

Der Begriff der Gegenöffentlichkeit meint also viel; zielgruppen- und themenspezifische Öffentlichkeiten abseits der Medien, Informationen, die im Medienmainstream nicht vorkommen bzw. unterdrückt werden, Methoden und Werkzeuge, eigene und autonome Publikationen und freie Medien zu schaffen. Vor allem impliziert Gegenöffentlichkeit allerdings: die klare Abkehr und Negation der Systemlogik der bürgerlichen Massenmedien. D.h. konkret:

  • keine JournalistInnen, die ökonomisch von diesem Beruf abhängig sind (Lohnabhängige);
  • keine Redakteure, die entscheiden, welche Informationen durchkommen und festlegen, mit welcher Ausrichtung Nachrichten publiziert werden (Manager);
  • keine Herausgeber, die durch die Kontrolle der Redakteure die Linie eines Massenmediums bestimmen (Eigentümer);
  • keine Werbung, über welche die Massenmedien finanziert werden und sie von den Anzeigenkunden verantwortlich macht (das Kapital).

Gewerkschaftsbewegung und Gegenöffentlichkeit
In den 70er Jahren markierte der Aufbau von «Gegenöffentlichkeit» eine der wichtigsten Strategien der Gewerkschaft. Betriebsrats- und MitarbeiterInnen-Zeitungen sollten der Informationspolitik der Unternehmer etwas entgegenhalten. Gewerkschaftliche Zeitschriften stellten eine unabhängige Alternative zum Mediensystem dar.

Allerdings ist diese Strategie wenig erfolgreich gewesen. Noch in den 1970er Jahren mussten einige Studien nüchtern feststellen, dass die gewerkschaftlichen Publikationen sehr bald einem Zweck untergeordnet wurden, die Mitglieder von den Entscheidungen der Gewerkschaftsführung zu informieren und auf Linie zu bringen (top-down). Ein Informationsfluss von den Mitgliedern zu den Funktionären (bottom-up) oder eine Diskussion unter den Mitgliedern konnte kaum etabliert werden.

Gewerkschaftsbewegung und Gegenöffentlichkeit
Heute bietet das Web2.0 gute Chancen für praktische Gegenöffentlichkeiten. Eine der Grundlagen: der geringe Aufwand. Ein BR oder eine FunktionärIn kann mit wenig organisatorischem Aufwand und ohne umfangreiches Spezialwissen ein Blog betreiben; und das gratis. Noch besser ist es freilich, wenn nicht Einzelpersonen sondern mehrere KollegInnen ein Blog in Kooperation führen.

Weil Blogs zudem einfach abonnierbar sind, wird die Zielgruppe eines Blogs - z.B. eine Belegschaft - automatisch aktuell informiert. Kommentare, Gastbeiträge und das Verlinken untereinander erleichtert die Partizipation ungemein und macht die Teilhabe sichtbar. Die Werkzeuge sind freilich noch jung und neu, die Nutzung erfordert Neugier, Schulung, Zusammenarbeit und Ausprobieren. Die Möglichkeiten sind aber vielversprechend und ein Anfang ist gemacht.

weitere Infos zu Gegenöffentlichkeit 1.0 und 2.0

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