31. Dezember 2010
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25. Dezember 2010
In der griechischen Mythologie widersetzt sich Prometheus dem Willen der Götter, die den Menschen das Feuer vorenthalten wollen. Als die Götter den Diebstahl bemerken und erkennen, dass sie den Menschen das Feuer nicht wieder entziehen können, rächen sie sich an Prometheus. Er wird an einen Felsen gekettet und muss jeden Tag ertragen, wie ein Adler seine Leber verspeist.
Bradley Manning hat nicht das Feuer von den Göttern gestohlen, sondern nur geheime Dokumente von der Regierung - behauptet diese jedenfalls. Sicher ist, dass Barack Obama diesem Feuer der Erkenntnis, das sich über Wikileaks rasant verbreitet, ebenso hilflos gegenübersteht, wie einst Göttervater Zeus. So bleibt den Mächtigen unserer Zeit also nur, dem niedrigsten ihrer Instinkte zu folgen und sich an demjenigen zu rächen, von dem sie glauben brüskiert worden zu sein. Göttliche Unfehlbarkeit können sie dafür aber keine beanspruchen.
Während Julian Assange nach einigen Tagen Untersuchungshaft mittlerweile wieder in Freiheit ist, musste Bradley Manning seinen 23. Geburtstag und nun Weihnachten in seiner Einzelzelle in der Marine-Basis Quantico verbringen, in der er seit Mai 2010 unter menschenunwürdigen Bedingungen gefangengehalten wird. Manfred Nowak, Sonderermittler des UN-Hochkommissars für Menschenrechte , ermittelt bereits wegen Foltervorwürfen.
Bradley Manning muss jeden Tag um 5h früh aufstehen und darf bis 20h nicht schlafen. Körperliche Betätigung ist ihm verboten. Konzentriertes lesen oder Meditation unmöglich - alle 5 Minuten wird er von den Wächtern gefragt, ob er wach ist. Sozialer Kontakt ist auf 3h am Wochenende beschränkt und selbst da nur durch eine Glaswand gestattet. Um 20h muss er sich bis auf die Boxershort ausziehen und ohne Decke und Polster schlafen. Dreht er sich mit dem Kopf zur Wand wird er aufgeweckt - die Wächter müssen ihn jederzeit sehen können.
Ich weiss nicht, ob es Bradley Manning war, der die Geheimdokumente an Wikileaks weitergegeben hat, aber kein Mensch hat es verdient so behandelt zu werden und sogar verurteilte Kriegsverbrecher werden besser behandelt. Falls er es war, hat er aus Gewissensgründen das berechtigte öffentliche Interesse an diesen Dokumenten über sein eigenes Wohl gestellt und verdient dafür mindestens ebensoviel Unterstützung wie Wikileaks und Julian Assange.
Es erscheint mir aber auch gut möglich, dass die Dokumente von einem der ca. 500.000 anderen Zugriffsberechtigten weitergegeben wurden und Bradley Manning hier zum Sündenbock gemacht wird. Zudem würde es gut in das Weltbild der ewiggestrigen Militärs passen, welche die von Präsident Obama versprochene Aufhebung der "don't ask, don't tell" Gesetzgebung verhindern wollen, dass "eine Schwuchtel" unter dem psychischen Druck der mittlerweile siebenmonatigen Einzelhaft zusammenbrechen und sich selbst und Julian Assange belasten würde.
Leider wurde Bradley Manning bisher nicht die Aufmerksamkeit zuteil, die sein Fall eigentlich verdient. Er wurde verhaftet, lange bevor die meisten Menschen überhaupt von Wikileaks gehört haben und obwohl Wikileaks versprochen hat, für seine Verteidigung zu sorgen, hat er bisher weder einen der zugesagten Anwälte noch Geld für seine Verteidigung erhalten.
Nachdem sich Bradley Manning bereits im Gewahrsam des US-Militärs befindet, wird es ungleich schwieriger, ihm zu helfen, als Julian Assange. Dennoch oder gerade deshalb braucht er unsere Hilfe umso notwendiger. Das Bradley Manning Support Network hat nicht nur zugesagt, die Kosten für seine Verteidigung zu übernehmen, sondern aus den gesammelten Spenden auch bereits 50.000 Dollar an seinen Anwalt bezahlt, der zusätzlich auch ein Treuhandkonto für Bradley Manning eingerichtet hat.
Es ist ein trauriger Spiegel unserer Gesellschaft, dass der seelenlose Ziegelstein auf Facebook bereits 179.443 "Freunde" hat, während die Petition zur Freilassung von Bradley Manning trotz prominenter Unterstützer wie Michael Moore und Daniel Ellsberg erst 3.737 Unterstützer zählt. Ich habe mich jedenfalls bereits eingetragen.
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