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06. März 2009

Die österreichische Bildungsministerin Schmied fordert von den Lehrer_innen 10% mehr zu arbeiten - fĂŒrs gleiche Geld. Denn unser Staat muss jetzt sparen wegen der Wirtschaftskrise - und das nach SPĂVP nicht bei Bank- und BörsemanagerInnen, die die Krise verursacht haben, sondern bei den ganz normalen Menschen. Ich möchte darauf wetten, dass die aktuelle Debatte um die Lehrer_innen nur der Anfang ist.
An der Bildung zu sparen, heisst an der Zukunft zu sparen. Schlechtere Arbeitsbedingungen fĂŒr die ohnehin schon belasteten Lehrer_innen gehen ganz sicher auf Kosten der SchĂŒler_innen. Selbst habe ich im Rahmen meines Schulpraktikums einen kleinen Einblick in die Arbeit der Lehrer_innen bekommen - und war einerseits positiv von der QualitĂ€t des Unterrichts ĂŒberrascht, andererseits aber auch schockiert, wie stressig so ein Vormittag ohne Pause und mit stĂ€ndigem LĂ€rmpegel ist. Bei Franz Kuehmayer findet sich eine gute Liste, was sich wirklich Ă€ndern mĂŒsste. Um ein authentisches Bild der RealitĂ€t der Lehrer_innen zu schaffen, dokumentiere ich hier (mit ihrem EinverstĂ€ndnis) einen
Offenen Brief der Volkschullehrerin Eva Schlemmer
Sehr geehrte Frau Minister!
Ich bin Volksschullehrerin im 19. Dienstjahr und verdiene rund 1.700⏠monatlich netto.
Selten hatte ich als klassenfĂŒhrende Lehrerin eine Wochenarbeitszeit, die das AusmaĂ von 45 Stunden unterschritt. Meistens waren es noch sehr viel mehr Arbeitsstunden, vor allem, wenn ich die enormen Korrekturarbeiten der 4.Klasse zu erledigen hatte.
Wir VS-Lehrerinnen haben die höchste Lehrverpflichtung: 22 Stunden. (Warum das so ist, kann ich nicht nachvollziehen. Vermutlich, weil in unserem Berufsstand fast nur Frauen arbeiten und diese weniger vertreten und geringer bewertet werden.)
Ein groĂer Teil meiner KollegInnen hat chronische Krankheiten oder Burn-Out-Erscheinungen.
Eine unengagierte VS-Lehrerin habe ich in meinen 20 Dienstjahren kaum kennen gelernt, mein Ehrenwort!
Die Vorstellung, weitere 2 Stunden (=4 Stunden, denn diese werden ja auch vor- und nachbereitet) unentgeltlich mehr arbeiten zu sollen, ruft Verzweiflung und tiefe EnttÀuschung in mir hervor.
Ich fĂŒhle mich in meiner Berufsehre, meinem Engagement, meinen jahrelang erbrachten Leistungen unterbewertet und verhöhnt, vor allem auch, da durch Ihre Argumentation alle LehrerInnen in einen (besudelten) Topf geworfen werden und der Polemik und Boulevardpresse auf niedrigstem Niveau ausgeliefert werden.
Uns engagierten LehrerInnen, die eine tragende SĂ€ule unserer immer hilfloser werdenden Gesellschaft darstellen, unsolidarisches Verhalten zu unterstellen, anstatt endlich aufzuzeigen, wie wertvoll und professionell die von uns erbrachte Arbeit ist, finde ich schlichtwegs unfair und populistisch.
Ich kann nicht sehen, welche QualitĂ€tssteigerung Sie durch diese MaĂnahme erwarten und versprechen. Was ich zuerst sehe ist, dass ab Herbst weitere ArbeitsplĂ€tze wegrationalisiert werden, dass die ohnehin schon verzweifelten arbeitslosen JunglehrerInnen noch weniger Perspektive haben und dass, wenn in 5 Jahren der erwartete LehrerInnenmangel eintritt, zu wenig junges kompetentes Personal eingeschult und nachbesetzbar sein wird. Ein Schuss ins eigene Knie!
Ich liebe meinen Beruf, verdiene mir mein Geld redlich und auch hart, bringe meinen KollegInnen und mir selbst stellvertretend fĂŒr Sie, unsere oberste Vorgesetzte, Respekt und WertschĂ€tzung entgegen und fĂŒhle mich durch die von Ihnen angedrohte MaĂnahme abgewertet, demotiviert und verraten.
Ich hoffe sehr, eine sachliche und faire Diskussion auf breiter Ebene im groĂen Feld der verschiedenen Schularten bewirkt,
Mit hoffnungsvollen GrĂŒĂen
VOL Eva Schlemmer
Foto: guterunterricht
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