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BlogDatum 21. März 2009
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Demonstration "Wir zahlen nicht fĂĽr eure Krise"

Am 28. März 2009 finden international Demonstrationen statt. Aus der Ankündigung:

Die schwerste Krise des Kapitalismus seit 1929 betrifft uns alle: massiver Anstieg der Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit, verlorene Häuser und Geldanlagen, teure Energie und Lebensmittel. Weltweit verlieren Menschen ihre Existenzgrundlagen und Lebensperspektiven. Die Regierungen, die die Krise durch die Entfesselung der Finanzmärkte wesentlich zu verantworten haben, retten jedoch vorrangig die Banken und die Reichen mit unseren Steuergeldern. Dagegen wehren wir uns!

Obenstehendes Video lädt zu den Demos in Deutschland ein. Ich zeige es hier, weil die angesprochenen Inhalte genauso gut für Östereich stehen, wo in Wien, Salzburg, Innsbruck und Graz der Aktionstag und die Demonstration stattfinden. Diese unterstützen aktuell 186 Organisationen.


Tags Politik | Geld | Activism
BlogDatum 11. März 2009
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Rechte fallen nicht vom Himmel

Die rechtsradikale „Nationale Volkspartei“ (NVP) ruft unter dem Motto „frei-sozial-national: gegen Globalisierung und Kapital“ zu einer Kundgebung in Linz auf - am 1.Mai. Dagegen hat sich eine Plattform aus Kulturorganisationen, politischen Gruppen und Einzelpersonen gebildet, die die Stadt Linz auffordert, dieses öffentliche Auftreten der Rechten zu verhindern. Diese Plattform, an der sich auch die KUPF – Kulturplattform Oberösterreich beteiligt, ist notwendig und leider ist dieses neuerliche massive Auftreten der Rechten auch kein Einzelfall. In Braunau hat die rechte Szene für den 18. April 2009 – zeitnahe zu Hitlers Geburtstag - eine Kundgebung angekündigt. Auch hier gibt es bereits eine Gegenbewegung. Österreichweit kennen wir genug Beispiele, die dafür stehen, dass rechtes Gedankengut wieder salonfähig ist, wieder mehr in die gesellschaftliche Mitte rückt. So können Mitarbeiter des dritten Nationalratspräsidenten „Nazidreck“ bestellen, ein Kärtner Landeshauptmann öffentlich Witze über Menschen anderer Hautfarbe machen und österreichweit blüht der Devotionalienhandel* mit Jörg Haider-Souvernirs – und wirklich passieren tut nichts außer ein paar medialen Aufregern, obwohl eigentlich klar sein müsste, dass Demokratie auch impliziert, sie vor jenen zu schützen, die sie in Frage stellen.

Die Parteien der Mitte schielen offenbar allzu oft auf die Wähler_innen der Rechten und allzu rasch wird der Kulturkampf ausgerufen und das christliche Abendland in Abschottungsmanier nach Außen beschworen - in solch einem Klima kann sogar der neue Linzer Hilfsbischof Gerhard Maria Wagner Platz seine vorgestrigen Ideen an die gar nicht mehr so braven Schäfchen der katholischen Kirche zu bringen. Die Kulturalisierung der Politik lenkt ab vom Wesentlichen: Rechte fallen nicht vom Himmel, sondern gedeihen in einem politischen Klima der sozialen Verunsicherung breiter Bevölkerungsschichten, einem oftmals widerlichen Parteiendemokratie-Schauspiel und dort, wo Rassismus, Sexismus, Homophobie und autoritäre Haltungen wieder in die Mitte der Gesellschaft rücken. Rechte gewinnen wieder mehr Boden, weil es links der Mitte sowenig Alternativen zum Mainstream gibt.

Gar keine Alternativen? Doch, auch wenn ich sie im Parteienspektrum schwer ausmachen kann. Es sind selbstorganisierte Initiativen, die sichtbar und spürbar machen, dass es etwas anderes als Rechts und nicht rechts offenen Mainstream auch nicht gibt. Nicht nur, aber gerade auch in Kulturinitiativen werden alternative Praxen tagtäglich gelebt – und das offensiv! Kulturinitiativen informieren nicht nur bedenkliche Entwicklungen, sondern involvieren in die eigenen Zusammenhänge, machen passive Konsument_innen zu Aktivist_innen. Freie Kulturarbeit schafft für ganz unterschiedliche Menschen eine Alternative zum massenmedialen kulturellen Einheitsmainstream und ist damit eine wichtige „Basis-Präventionsarbeit“ gegen Rechts. Menschen, viele Jugendliche, involvieren sich in Kulturarbeit und lernen in Kulturvereinen praktische demokratische Konfliktkultur – und tragen das weiter in andere Arbeitsfelder, in andere Communities. Freie Kulturarbeit ist ein Gegenmodell zu autoritäten, rassistischen und sexistischen Konzeptionen, freie Kulturarbeit lebt tagtäglich vor, dass eine Gesellschaft denkbar ist, in der nicht nur einige wenige das Sagen haben. Das sicher nicht widerspruchsfrei, auch die freie Kulturszene ist von Ausrutschern und strukturellen Probleme wie Sexismus und Rassismus nicht gefeiht. Aber hier gibt es andere Problemlösungsmechanismen, denn Kulturinitiativen antizipieren tagtäglich eine radikal-demokratische Gesellschaft.

Diese tagtägliche Arbeit der Kulturinitativen ist fast noch wichtiger als die Beteiligung von Kulturvereinen an Aktionen gegen die Rechten oder auch wertvolle Informationsarbeit über die Zusammenhänge, z.B. zur Rolle der Musik in rechten Jugendkulturen**. Kulturarbeit ist nicht alles, aber gemeinsam mit Initiativen für Soziales, Ökologie, Bildung oder was auch immer noch dazugehört zu einer radikal-demokratischen Gesellschaft können wir alle mehr gegen Rechts tun, als wir oftmals angesichts von drohenden Naziaufmärschen am Tag der Arbeit meinen.

* Wikipedia erklärt, dass eine Devotionalie ein Gegenstand ist, der zur religiösen Andacht benutzt wird. Der aktuelle Haider-Kultur erinnert stark an profane Heiligenverehrung.

** Bei der Veranstaltung „'Brauntöne' - Aktuelle Entwicklungen in der rechtsextremen Musikszene“ am 5.Februar mit Markus Rachbauer, Thomas Rammerstorfer und Dr. Didi Bruckmayr ging es um dieses Thema, veranstaltet vom Kulturverein KAPU und Infoladen Treibsand.

Geschreiben Anfang Februar 2009. Erscheint in der KUPF-Zeitung 129/09. Hier sind einige Links mehr eingefĂĽgt als in der Printversion.


Tags Politik | Linz | Kultur
BlogDatum 06. März 2009
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10% mehr arbeiten fĂĽrs gleiche Geld?

Die österreichische Bildungsministerin Schmied fordert von den Lehrer_innen 10% mehr zu arbeiten - fürs gleiche Geld. Denn unser Staat muss jetzt sparen wegen der Wirtschaftskrise - und das nach SPÖVP nicht bei Bank- und BörsemanagerInnen, die die Krise verursacht haben, sondern bei den ganz normalen Menschen. Ich möchte darauf wetten, dass die aktuelle Debatte um die Lehrer_innen nur der Anfang ist.
An der Bildung zu sparen, heisst an der Zukunft zu sparen. Schlechtere Arbeitsbedingungen für die ohnehin schon belasteten Lehrer_innen gehen ganz sicher auf Kosten der Schüler_innen. Selbst habe ich im Rahmen meines Schulpraktikums einen kleinen Einblick in die Arbeit der Lehrer_innen bekommen - und war einerseits positiv von der Qualität des Unterrichts überrascht, andererseits aber auch schockiert, wie stressig so ein Vormittag ohne Pause und mit ständigem Lärmpegel ist. Bei Franz Kuehmayer findet sich eine gute Liste, was sich wirklich ändern müsste. Um ein authentisches Bild der Realität der Lehrer_innen zu schaffen, dokumentiere ich hier (mit ihrem Einverständnis) einen

Offenen Brief der Volkschullehrerin Eva Schlemmer

Sehr geehrte Frau Minister!

Ich bin Volksschullehrerin im 19. Dienstjahr und verdiene rund 1.700€ monatlich netto.
Selten hatte ich als klassenfĂĽhrende Lehrerin eine Wochenarbeitszeit, die das AusmaĂź von 45 Stunden unterschritt. Meistens waren es noch sehr viel mehr Arbeitsstunden, vor allem, wenn ich die enormen Korrekturarbeiten der 4.Klasse zu erledigen hatte.
Wir VS-Lehrerinnen haben die höchste Lehrverpflichtung: 22 Stunden. (Warum das so ist, kann ich nicht nachvollziehen. Vermutlich, weil in unserem Berufsstand fast nur Frauen arbeiten und diese weniger vertreten und geringer bewertet werden.)

Ein groĂźer Teil meiner KollegInnen hat chronische Krankheiten oder Burn-Out-Erscheinungen.
Eine unengagierte VS-Lehrerin habe ich in meinen 20 Dienstjahren kaum kennen gelernt, mein Ehrenwort!

  • Inzwischen integrieren wir in den Volksschulen ehemalige „SonderschĂĽlerInnen“, meist ohne unterstĂĽtzendes Hilfspersonal.
  • Zur selben Zeit fördern wir Kinder aus verschiedensten Kulturkreisen mit unterschiedlichen Muttersprachen,
  • bekommen irgendwie (und oft können wir selbst nicht sagen, wie uns das gelingt) eine immer größer werdende Anzahl an Kindern mit massiven Verhaltensproblemen und Aggressionen „in Griff“,
  • betreuen diese und oft auch deren Eltern psychologisch, ohne dafĂĽr ausgebildet und bezahlt zu sein,
  • bereiten die gut und hoch begabten Kinder auf den Besuch in der AHS vor
  • werden den durchschnittlich begabten Kindern gerecht, damit auch sie nicht durch die groĂźe Streubreite an Begabungen und SonderbedĂĽrfnissen zu kurz kommen,
  • erstellen Förderpläne fĂĽr jedes einzelne Kind, aber leider ist kein Personal da, um sie umzusetzen,
  • erledigen Sozialarbeit,
  • sind oft die Hauptvertrauensperson fĂĽr verwahrloste und misshandelte Kinder,
  • bezahlen unser Arbeitsmaterial aus der eigenen Brieftasche,
  • unterstĂĽtzen nach dem Unterricht etliche Aktionen, Vereine, Anliegen der Gemeinden, etc.,
  • halten als einziger mir bekannter Berufsstand DURCHGEHEND Aufsicht, ohne mit gutem Gewissen die Toilette aufsuchen zu können und ohne Recht auf Essenspause (das bedeutet z.B. an Vormittagen von 7.30 bis 12.30h 50 min unbezahlte FrĂĽh-und Pausenaufsicht täglich),
  • mĂĽssen zu Hause ein BĂĽro einrichten, da in den meisten Volksschulen kein Arbeitsplatz und nur ein (manchmal 2) Computer fĂĽr durchschnittlich15 LehrerInnen zur VerfĂĽgung steht.

Die Vorstellung, weitere 2 Stunden (=4 Stunden, denn diese werden ja auch vor- und nachbereitet) unentgeltlich mehr arbeiten zu sollen, ruft Verzweiflung und tiefe Enttäuschung in mir hervor.
Ich fühle mich in meiner Berufsehre, meinem Engagement, meinen jahrelang erbrachten Leistungen unterbewertet und verhöhnt, vor allem auch, da durch Ihre Argumentation alle LehrerInnen in einen (besudelten) Topf geworfen werden und der Polemik und Boulevardpresse auf niedrigstem Niveau ausgeliefert werden.

Uns engagierten LehrerInnen, die eine tragende Säule unserer immer hilfloser werdenden Gesellschaft darstellen, unsolidarisches Verhalten zu unterstellen, anstatt endlich aufzuzeigen, wie wertvoll und professionell die von uns erbrachte Arbeit ist, finde ich schlichtwegs unfair und populistisch.
Ich kann nicht sehen, welche Qualitätssteigerung Sie durch diese Maßnahme erwarten und versprechen. Was ich zuerst sehe ist, dass ab Herbst weitere Arbeitsplätze wegrationalisiert werden, dass die ohnehin schon verzweifelten arbeitslosen JunglehrerInnen noch weniger Perspektive haben und dass, wenn in 5 Jahren der erwartete LehrerInnenmangel eintritt, zu wenig junges kompetentes Personal eingeschult und nachbesetzbar sein wird. Ein Schuss ins eigene Knie!
Ich liebe meinen Beruf, verdiene mir mein Geld redlich und auch hart, bringe meinen KollegInnen und mir selbst stellvertretend für Sie, unsere oberste Vorgesetzte, Respekt und Wertschätzung entgegen und fühle mich durch die von Ihnen angedrohte Maßnahme abgewertet, demotiviert und verraten.
Ich hoffe sehr, eine sachliche und faire Diskussion auf breiter Ebene im groĂźen Feld der verschiedenen Schularten bewirkt,

  • dass sich unser Ruf retten lässt,
  • dass Arbeitskreise von LehrerInnen, die in den Klassen stehen (anstatt von schulfremden Personen) , Reformvorschläge ausarbeiten,
  • und dass alle Beteiligten mit dem GefĂĽhl der Korrektheit und Transparenz gemeinsam das längst zu reformierende Schulsystem verändern, optimieren und retten.

Mit hoffnungsvollen GrĂĽĂźen

VOL Eva Schlemmer

Foto: guterunterricht


Tags Politik | Bildung | Arbeit
BlogDatum 01. März 2009
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Der Mainstream ist rechts. Da ist nichts daran zur rĂĽtteln.

Heute habe ich mit einem Freund darüber gesprochen, wie das damals wohl war, als der Mainstream "links" war. Wir haben es beide verpasst, sind zu spät auf die Welt gekommen, um zu erleben, wie es war in den 1970er-Jahren, als Bruno Kreisky „alle Lebensbereiche mit Demokratie durchfluten“ wollte. Was war das wohl für ein Lebensgefühl?

Heute mittag habe ich noch behauptet, dass heute der Mainstream irgendwo zwischen "rechts" und "wurscht" ist, das nehme ich jetzt zurück: Der Mainstream ist rechts. Sonst nichts. Es ist tragisch, für die Kärntner_innen, für uns alle. Offenbar hatten alle anderen Parteien der Heiligenverehrung eines betrunkenen Autorasers nichts entgegenzusetzen. Der einzige Trost: In Salzburg bleibt mehr oder minder alles beim Alten, auch nicht gut, aber wenigstens fast nicht schlechter. Ja, heutzutage muss ich wohl mit so wenig zufrieden sein.

Andere Blogeinträge zu den Landtagswahlen:


Tags Politik |
BlogDatum 18. Februar 2009
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Attac zieht Bankern die Hosen aus

Damit sich niemand fragt, ob ich in nächster Zeit nur noch über die katholische Kirche blogge und sonst keine Sorgen habe, jetzt endlich auch wieder einmal ein anderes Thema hier im Blog. Dieses kurze Video von ATTAC zur Finanz- und Wirtschaftskrise ist wirklich sehenswert und darum möchte ich es empfehlen. In Zeiten wie diesen tut ein Stück Ironie sicher gut.


Tags Politik | Geld | Ă–konomie
BlogDatum 26. Jänner 2009
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€100 für die Anschaffung eines Fahrrades oder ein Jahresticket für den öffentlichen Verkehr!

Der Verkehrclub Österreich VCÖ hat heute eine Initiative für eine Ökoprämie gestartet. Diese kann online unterstützt werden, was ich heute schon getan habe. Ich habe zwar ein gut funktionierendes Fahrrad und brauche darum auch keine Jahreskarte für Linz, aber vernünftiger ist dieser Vorschlag allemal als die Ideen der Förderer_innen der Autoindustrie. Der Text:

Ja zur Ökoprämie. Die Regierung führt eine Prämie für den Kauf neuer Autos ein. Der VCÖ betont, dass damit jene, die wirklich umweltfreundlich mobil sind, benachteiligt werden. Deshalb hat der VCÖ diese Initiative gestartet.
Ich spreche mich für eine Ökoprämie von 100 Euro für den Kauf eines neuen Fahrrades und für Jahreskarten für den Öffentlichen Verkehr aus. Damit wird ein Anreiz für ein umweltfreundliches Mobilitätsverhalten gesetzt.

Die Verschrottungsprämie für alte Autos ist meiner Meinung nach einer der absurdesten Ideen der österreichischen Innenpolitik, sowohl aus einer ökologischen wie auch ökonomischen Perspektive betrachtet. Ökologisch ist wohl klar, dass die Produktion neuer Autos mehr Umweltschäden verursacht als das Weiterfahren mit den alten Fahrzeugen. Ökonomisch und sozial betrachtet liegt nahe, dass Menschen, die sich nur ganz alte Autos leisten können, auch kein Geld für ein funkelnagelneues Auto haben werden. Aus dem heute auch veröffentlichten Sozialbericht des Sozialministerium geht hervor, dass 1% der Haushalte über mehr als ein Viertel des Privatvermögens verfügt. Da liegt der Ansatzpunkt für soziale Umverteilung und nicht bei solch absurden Verschrottungsaktionen.
Unterschreiben!

Foto: bluemacgirl


Tags Politik | Ă–konomie | Ă–kologie
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